Detaillierte Beitrags-Information

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Beitragstitel Ergonomie und die Rolle der Führung
Autoren
  1. Stephan Sandrock ifaa - Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. Vortragender
Präsentationsform Poster
Themengebiete
  • Management und Führung
Abstract-Text Unternehmen müssen sich auf die Folgen des demografischen Wandels einstellen. Dazu zählen unter anderem Fachkräftemangel und alternde Belegschaften. Um in Deutschland in Zukunft auch mit älteren Beschäftigten gesund und produktiv arbeiten zu können, kommt der ergonomischen Arbeitsgestaltung eine wichtige Rolle zu, denn diese kann einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit darstellen. Geeignete Ansätze der Arbeitsgestaltung können zur Senkung von Fehlzeiten und zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten führen und auch dazu beitragen, Arbeitsunfälle zu vermeiden. Bei der Gestaltung und auch bei verhaltenspräventiven Maßnahmen ist es ebenfalls wichtig, die Erfahrung der Beschäftigten zu berücksichtigen und die Rolle der Führungskräfte zu klären.
Im Rahmen der Coronapandemie arbeiten viele Beschäftigte von zu Hause aus. Auch hier gilt es ergonomische Rahmenbedingungen durch z. B. das Zurverfügungstellen von Arbeitsmitteln wie Laptops und Tastaturen, aber auch einer entsprechenden Unterweisung zu schaffen, damit ein gesundes und produktives Arbeiten möglich ist. Letztlich kommt dabei auch der Eigenverantwortung der Beschäftigten eine große Rolle zu, wie aktuelle Studien belegen.
Für die ergonomische Durchführung von Tätigkeiten in Produktion, Verwaltung und Dienstleistungsbereichen sind die Leistungsanforderungen so zu gestalten, dass diese von den Beschäftigten auf Dauer und ohne Beeinträchtigungen und Schädigung der Gesundheit zu bewältigen sind, bzw. sollen durch eine angemessene Gestaltung der Arbeitssysteme die Leistungsvoraussetzungen der Beschäftigten angemessen gefordert werden. Eine ergonomische Arbeitsgestaltung, also die Gestaltung von Arbeitssystemen unter der Berücksichtigung der Leistungsvoraussetzungen der vorgesehenen Beschäftigtengruppe mit den Zielen, die Leistungsfähigkeit der beschäftigten Personen zu erhalten bzw. zu stärken und die Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems zu erhöhen ist das Ziel. Um dies zu erreichen, sind in den Unternehmen auf Seiten der Arbeitsplatzgestalter und der Führungskräfte zumindest grundlegende Kenntnisse der Arbeitswissenschaft und der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen erforderlich. Zunächst müssen bei der menschengerechten Gestaltung die menschlichen Körperabmessungen, Belastungsgrenzen, Seh- und Wirkräume berücksichtigt werden. Allerdings ist zu konstatieren, dass es keine optimale Gestaltung gibt, die allen potenziellen Nutzern und allen für ein Produkt denkbaren Aufgaben gleichermaßen gerecht wird. Neben „klassischen“ Maßnahmen der Arbeitsgestaltung wie dem Verhindern von langandauernden Zwangshaltungen, statischer Haltearbeit, dem Vermeiden bzw. Verringern von Heben oder Tragen, Ziehen oder Schieben von Lasten oder der Lärmvermeidung sind auch Aspekte wie die Vorhersehbarkeit von Arbeitsaufgaben, Kontrasterhöhung an Sichtgeräten und Messinstrumenten Gegenstand ergonomischer Gestaltung. Durch Zunahme von rechnergestützten Aufgaben kommt der ergonomischen Bildschirmarbeitsgestaltung (z. B. der Erhöhung der Beleuchtungsstärke, Vermeidung von Blendung, Nutzung geeigneter Arbeitsmittel) eine besondere Rolle zu. Gerade in der Pandemiebedingten verstärkten Nutzung der Arbeit von zu Hause aus, sind auch von den Beschäftigten ergonomische Kenntnisse gefragt. Das betrifft beispielsweise die Gestaltung und Einrichtung eines temporären Arbeitsplatzes in den eigenen vier Wänden sowie die ergonomische Nutzung. Da den Beschäftigten auch in anderen neuen Arbeitsformen (z.B. mobiler Arbeit) eine erhöhte Eigenverantwortung zukommt, sind die Gestaltung der Rahmenbedingungen sowie die Befähigung der Beschäftigten von zentraler Bedeutung. Dabei kommt den Führungskräften eine wichtige Rolle zu. Sie müssen erkennen und verstehen, dass auch Ergonomie zu ihren Aufgaben gehört und daneben für eine entsprechende Unterweisung der Beschäftigten Sorge tragen.
Ob und welche ergonomische Gestaltungsmaßnahmen erforderlich sind, kann sich aus einer – am besten prospektiv durchgeführten – Beurteilung des Arbeitssystems und seiner Elemente ergeben, also u.a. der Arbeitsaufgabe, des Arbeitsplatzes und der Arbeitsumgebung. Auch die Gefährdungsbeurteilung kann Defizite in der Arbeitsgestaltung aufzeigen.
Generell gilt: Werden bereits bei der Planung von Arbeitsplätzen ergonomische Gestaltungsprinzipien berücksichtigt, können Änderungen und Anpassungen, die in der Regel mit höheren Kosten verbunden sind, vermieden werden. Dazu kann es sinnvoll sein, die Beschäftigten, die später in und mit den Systemen arbeiten sollen zu beteiligen, da dies erfahrungsgemäß zu einer Erhöhung der Akzeptanz und der späteren Nutzung beiträgt. Das Verständnis und die Akzeptanz für das Anwenden derartiger Maßnahmen sollte am besten im Kontext der Arbeit vermittelt werden, um für eine nachhaltige Sensibilisierung und Einhaltung der Verhaltensweisen zu sorgen. Dazu müssen die Beschäftigten mit geeigneten Methoden angesprochen werden.
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