Detaillierte Beitrags-Information

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Beitragstitel Praxisbewährte Handlungshilfen für neue arbeitsschutzrelevante Herausforderungen
Autoren
  1. Marina Bier Bergische Universität Wuppertal Vortragender
Präsentationsform Poster
Themengebiete
  • Sicherheit
Abstract-Text Durch die SARS-CoV-2-Pandemie ergeben sich neue und vielfältige Herausforderungen in der Arbeitswelt: Corona-Schutzmaßnahmen sind effektiv in den Betrieben umzusetzen, um die Beschäftigten vor einer möglichen Ansteckung zu schützen und Arbeitsausfälle und Betriebsunterbrechungen durch COVID19-Ausbrüche zu verhindern. Durch die Pandemie aber auch durch das Fortschreiten der Digitalisierung steigt zudem der Anteil an Arbeitsstunden im mobilen Arbeiten. Aus diesen Gründen ergeben sich vielseitige Probleme, wie die Wissensvermittlung von neuen und sich verändernden Arbeitsschutzmaßnahmen an die Beschäftigten und die Erreichbarkeit der Beschäftigten und die Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen beim mobilen Arbeiten.
Einen weiteren Wandel von gesellschaftlicher Bedeutung stellt das Aufkommen von sogenannten Spontanhelfenden dar. Damit sind sozial Engagierte gemeint, die in oder nach besonderen Ereignissen, wie die SARS-CoV-2-Pandemie, Starkregenereignisse oder „Flüchtlingskrise“, für die Gesellschaft tätig werden ohne zuvor aktiv Mitglied einer Hilfsorganisation zu sein. Doch wie können Spontanhelfende über wichtige, arbeitsschutzrelevante Themen informiert werden und wie lassen sie sich sicher in bestehende Organisationsstrukturen einbinden?
Das Fachgebiet Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit der Bergischen Universität Wuppertal hat sich zur Aufgabe gemacht, bei den skizzierten Herausforderungen die entsprechenden Akteure mit Informationen und Handlungshilfen zu unterstützen, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz als Begleiter technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen aktiv mitzugestalten. Die erstellten Handlungshilfen (HH) gliedern sich entsprechend der verschiedenen Schwerpunkte in zwei Bereiche: HH „SafetyCards“ und HH „Spontanhelfende“. Dabei richten sich die SafetyCards an unterschiedliche Branchen und thematisieren einen bestimmten, arbeitsschutzrelevanten Schwerpunkt, während die HH „Spontanhelfende“ spezielle Ereignisse im Katastrophenschutz fokussieren.
Aus aktuellem Anlass ist die SafetyCard „SARS-CoV-2-Pandemie“ erstellt, welche wichtige Verhaltensmaßnahmen während der SARS-CoV-2-Pandemie einzig durch Bilder, ähnlich der Sicherheits-Informations-Karten in Flugzeugen, darstellt. Mindestmaßnahmen werden vom Fachgebiet zusammengetragen, evaluiert und aktuell gehalten. Durch einen extra für die SafteyCards eingerichteten Newsletter wird sie an interessierte Anwender adressiert und verteilt. So ergibt sich eine Handlungshilfe, die Unternehmen im Zusammenhang mit Unterweisungen nutzen können, um ihre Beschäftigten in verständlicher Weise, wie es von der DGUV Vorschrift 1 gefordert wird, ohne sprachliche Barrieren zu unterweisen. Eine weitere, an Bedeutung zunehmende SafetyCard befasst sich mit der Sicherheit am Telearbeitsplatz. Diese SafetyCard kann sowohl für Telearbeitsplätze als auch für mobiles Arbeiten verwendet werden, um Beschäftigte auf wesentliche Punkte, wie Arbeitszeitgestaltung und psychische Belastungen, hinzuweisen und als Erinnerungsfunktion zu fungieren. Zusätzlich wurden SafetyCards für Fremd- und Partnerfirmen und für Geflüchtete entwickelt. Die Anmeldezahlen des Newsletters von mehr als 300 Personen aus verschiedensten Bereichen der Industrie und öffentlichen Verwaltung innerhalb von 2 Monaten zeigen, dass das Interesse und der Bedarf an solchen Handlungshilfen in der Praxis groß sind.
Die Handlungshilfen „Spontanhelfende“ wurden im Kontext des Forschungsprojektes „WuKAS“, welches das Fachgebiet zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst e. V. bearbeitet und von der DGUV unterstützt wird, erstellt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderrichtlinie „Anwender-Innovativ: Forschung für die zivile Sicherheit“ gefördert. Ziel dieser HH ist es zum einen Einsatzkräfte bei der sicheren Einbindung von Spontanhelfenden und bei der Durchführung von Gefährdungsbeurteilung an der Einsatzstelle zu unterstützen und zum anderen sicherheitsrelevante Informationen in einer übersichtlichen Form an Spontanhelfende zu vermitteln. Es ist denkbar, das entwickelte System auch auf andere, sehr dynamische Arbeitstätigkeiten zu übertragen, für die vorab durchgeführte Gefährdungsbeurteilungen zu statisch sind, z. B. bei Industriekletterern.
In naher Zukunft wird zudem zur Wissensvermittlung arbeitsschutzrelevanter Themen und als Ergänzung zu bisherigen Schutzmaßnahmen die Einbindung von Virtual und Augmente Reality im Fachgebiet erforscht und vorangetrieben.
Im Rahmen des Vortrages werden die zu Beginn beschriebenen Herausforderungen dargestellt und die rechtliche Bedeutung und Anforderungen von Unterweisungen umrissen. Anschließend werden Anforderungen an gute Wissensvermittlung aufgezeigt. Der Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Vorstellung der oben beschriebenen Handlungshilfen. Zum Schluss erfolgt ein Ausblick, wie mittels der aufstrebenden VR- bzw. AR-Technologien die Wissensvermittlung im Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessert werden könnten.
Präsentation Präsentations-Datei ansehen