Detaillierte Beitrags-Information

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Beitragstitel Forschungsprojekt „Behavior Based Safety (BBS) – Sicheres Verhalten bei Rettungskräften
Autoren
  1. Christoph Bördlein Vortragender
Präsentationsform Poster
Themengebiete
  • Sicherheit
Abstract-Text Ergebnisse des Forschungsprojektes „Behavior Based Safety (BBS) – Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“ der Unfallversicherung Bund und Bahn und Transfer in die Praxis
Das Forschungsprojekt „Behavior Based Safety (BBS): Sicheres Verhalten bei Rettungskräften“ wird von der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) in Kooperation mit der Deutsches Rotes Kreuz Rettungsdienst in der Region Hannover gem. GmbH durchgeführt. Die FHWS übernimmt die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projektes zur Prüfung der Wirksamkeit der BBS-Methode.
Im Poster werden drei Schwerpunkte gesetzt:
1. Behavior Based Safety als verhaltensanalytische Methode und als wissenschaftlicher Hintergrund des Projektes
2. Vorstellung des Forschungsdesigns und der Ergebnisse des Projektes, in dem
Behavior Based Safety (BBS) auf das Arbeitsumfeld von Rettungskräften übertragen und angepasst wurde
3. Übertragbarkeit von Behavior Based Safety auf andere Betriebe
Zu 1.
Behavior Based Safety gilt als die am besten untersuchte und wirksamste Methode zur Veränderung des Verhaltens im Bereich der Arbeitssicherheit. Behavior Based Safety lässt sich im Deutschen mit „verhaltensorientierter Arbeitssicherheit“ übersetzen. Behavior Based Safety umfasst eine Sammlung an verhaltensorientierten Methoden, die den Zweck verfolgen, sichere Arbeitsgewohnheiten zu erreichen und sichere Verhaltensweisen zu verstärken. Durch die Anwendung der BBS-Prinzipien soll letztlich die Zahl der Arbeitsunfälle reduziert werden.
Zu 2.
Unfallstatistiken der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) ergaben, dass Rettungskräfte einem erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt sind. Dies spiegelt sich in den beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) seit 2011 kontinuierlich steigenden Unfallzahlen wider. Neben der Art der Tätigkeit als Rettungskraft in Extremsituationen liegt eine weitere Ursache des erhöhten Unfallaufkommens in der Wahrnehmung möglicher Risiken und dem damit verbundenen Sicherheitsverhalten der Mitarbeiter.
Ziel des Forschungsprojektes war es, ein BBS-System für den Rettungsdienst zu entwickeln und in der Praxis zu erproben, durch das die Arbeitssicherheit von Rettungskräften dauerhaft verbessert wird. Im Rahmen des Projekts wurde eine den Gegebenheiten der Rettungswachen angepasste Checkliste mit kritischen Verhaltensweisen und Verhaltensprodukten (Verhaltensergebnissen) entwickelt. Mit Hilfe dieser Checkliste wurde das Sicherheitsniveau in zwei ausgewählten Rettungswachen des DRK beobachtet und bewertet. Im Anschluss an die Basisratenerhebung beinhaltete die Phase 1 (Interventionsphase) des Projekts neben einer Aufgabenklarstellung auch den Einsatz von verbalem und grafischem Feedback nach den Verhaltensbeobachtungen. Damit sollte das sicherheitsrelevante Verhalten der Mitarbeiter verändert werden. Bei dem verwendeten Forschungsdesign handelt es sich um ein Multiple-Baseline-Design, d. h. die Intervention wurde zeitlich gestaffelt über die beiden Rettungswachen eingeführt. Die Daten der Basisratenbeobachtungen ergaben, dass der relative Anteil sicheren Verhaltens für alle Punkte der Checkliste bei einer der Rettungswachen 52,10 % bei der anderen Rettungswache 51,80 % betrug. Dieser Anteil konnte in der Interventionsphase auf 76,05 % bzw. 76,23 % gesteigert werden. In der ab November 2020 begonnenen Phase 2 wurden die Funktionen des Beobachtens von sicherem Verhalten und des Feedbackgebens von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst übernommen, um so eine Verstetigung und Verselbständigung der BBS-Maßnahmen und der damit erreichten Verhaltensänderungen zu gewährleisten. Im Vorfeld wurde gemeinsam mit den Rettungskräften ein mitarbeitergetragenes Beobachtungskartensystem entwickelt. Im Sommer 2021 wurden zudem Follow-Up-Beobachtungen mit der ursprünglichen Checkliste vorgenommen. Dabei zeigte sich, dass die Verbesserungen im sicheren Arbeiten aufgrund des Feedbacks auch knapp ein Jahr später noch gehalten werden konnten. Das Projekt wurde Ende September 2021 abgeschlossen.
Zu 3.
Ziel der Unfallversicherung Bund und Bahn ist es, die Erkenntnisse zur Wirksamkeit und zur Übertragbarkeit der BBS-Methoden dem DRK aber auch anderen bei der UVB versicherten Betrieben bereitzustellen. Interessierte Betriebe sollen zukünftig unterstützt werden, BBS-Maßnahmen zu implementieren, um die Unfallzahlen zu reduzieren. Die UVB bietet daher zukünftig Präventionsleistungen zu Behavior Based Safety im Bereich Qualifizierung und Beratung an.

Kontaktdaten der Autoren:
Prof. Dr. Christoph Bördlein, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), Münzstr. 12, 97070 Würzburg, christoph.boerdlein@fhws.de

Antje Stöwesandt, Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB), Schloßstraße 62a,
12165 Berlin, antje.stoewesandt@uv-bund-bahn.de

Wir freuen uns die Inhalte des Posters mit Ihnen am 29.10.2021 zwischen
9:00 und 10:00 Uhr in einem Zoom-Meeting unter folgendem Link zu diskutieren.
https://fhws.zoom.us/j/83601677690
Präsentation Präsentations-Datei ansehen