Detaillierte Beitrags-Information

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Beitragstitel Die Bedeutung von tätigkeitsübergreifenden Belastungsfaktoren für die Arbeitsfähigkeit
Autoren
  1. Angelina Heub Institut für Gesundheitsförderung & -forschung Vortragender
Präsentationsform Poster
Themengebiete
  • Gesundheit
Abstract-Text Der Einfluss tätigkeitsübergreifender Belastungsfaktoren auf die Arbeitsfähigkeit
Angelina Heub1,3, Michael Treixler2, Björn Schlüter2, Manfred Betz1
1 Institut für Gesundheitsförderung & -forschung, Dillenburg
2 SKOLAWORK GmbH & Co. KG, Königswinter/Bonn
3 Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen


Einleitung
Nicht zuletzt begründet durch den Wandel der Arbeitswelt sowie der hiermit einhergehenden Arbeitsverdichtung entstehen immer mehr psychische Herausforderungen. Somit steigt die gesellschaftliche Relevanz sich mit dem Thema psychische Belastung am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen. Überdies stellen aktuelle ökonomische Herausforderungen und Themen wie Fachkräftemangel besondere Anforderungen an die Arbeitskräfte. Mit einer steigenden Lebensarbeitszeit geht auch das Erfordernis einer langen Arbeitsfähigkeit einher. Gemeinsam mit der Gesundheit gilt ebendiese Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten auch als zentrale Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. Ziel des Beitrages ist es, erstmalig die für die Arbeitsfähigkeit zentrale Steuerungsgröße unter den tätigkeitsübergreifenden Belastungsfaktoren der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zu identifizieren.
Methodik
Die Datengrundlage des Beitrages bilden standardisierte Mitarbeiterbefragungen im Zeitraum von 2012 bis 2019. Es wurden 3.823 tätigkeits- und branchenübergreifende Sekundärdaten ausgewertet. Die Stichprobe setzt sich aus Beschäftigten (♀35%, ♂64%, keine Angabe 1%) zwölf deutscher Unternehmen verschiedener Branchen zusammen. Mit einem mittleren Lebensalter von 41 Jahren (s = 11,53) lag die Altersspanne der Befragten zwischen 17 und 77 Jahren.
Die tätigkeitsübergreifenden Belastungsfaktoren wurden durch ungewichtete Summenindizes operationalisiert. Alle Indizes wurden so kodiert, dass die Ausprägungen mit zunehmender Belastung wachsen. Zur Quantifizierung der Arbeitsfähigkeit wurde der Work Ability Index (WAI) herangezogen. Es wurde die Kurzversion des WAIs verwendet. Zur Quantifizierung der Forschungsfrage wurde eine multiple lineare Regressionsanalyse gerechnet. Als Prädiktoren gingen die Konstrukte Arbeitsintensität, Handlungsspielraum, Arbeitszeit und soziale Unterstützung in das Modell ein. Als Zielvariable soll die Arbeitsfähigkeit erklärt werden.
Ergebnisse
Abbildung 1 des Posters zeigt die Verteilung aller Variablen mittels gestapelten Balkendiagrammen. Betrachtet man die Prädiktionen, so zeigt sich insgesamt eine überwiegend geringe Belastung. Die geringste Belastung lässt sich bei den Variablen soziale Unterstützung und Handlungsspielraum erkennen. Die stärkste Belastung tritt im Kontext der Arbeitsintensität auf. Die WAI-Werte liegen überwiegend in dem Bereich gut bis sehr gut (x ̅=39,9).
Tabelle 1 betrachtet differenziert die einzelnen Prädiktoren. Es konnten drei Prädiktoren ermittelt werden, welche in einem signifikanten Zusammenhang mit der Zielvariablen (WAI) stehen. Konkret zu nennen sind hier die Variablen Arbeitsintensität (I), Handlungsspielraum (H) und soziale Unterstützung (S). Keine signifikanten Effekte lassen sich für die Arbeitszeit (Z) nachweisen. Der Umfang des Handlungsspielraums erweist sich als stärkster Prädiktor. Eine sich verbessernde Arbeitsfähigkeit geht mit einer Zunahme an Handlungsspielraum einher. Die Wirkungsstärke der Faktoren Arbeitsintensität und soziale Unterstützung ist annähernd gleich. Obwohl sie sich nur als schwache bis moderate Prädiktoren erweisen, sind diese dennoch von Relevanz.
Schlussbetrachtung
Maßgebende Steuerungsgrößen für die Arbeitsfähigkeit sind die Arbeitsintensität, die soziale Unterstützung, und der Handlungsspielraum. Bezüglich der Arbeitszeit lassen sich keine signifikanten Ergebnisse festhalten. Es wird davon ausgegangen, dass die fehlende Signifikanz auf eine unvollständige Erfassung der Arbeitszeit zurückzuführen ist. Aufgrund der Sekundärdaten erfasst dieser Beitrag ausschließlich die subjektive Zufriedenheit bezüglich Arbeitszeitreglungen und -modellen. Objektive Aspekte können nicht einbezogen werden, wenngleich auch diese von Relevanz sind.
Folglich wird der Handlungsspielraum zunächst als stärkste Steuerungsgröße angenommen. Bezüglich der Arbeitszeit gilt es abschließend zu prüfen, ob hier tätsächlich kein siginifkanter Zusammenhang besteht.
In der betrieblichen Praxis lässt sich das Wissen zur wichtigsten Steuerungsgröße bei Priorisierungsprozessen von Maßnahmen implizieren. Im Kontext der Schwerpunktsetzung gelten unter anderem die Bedeutsamkeit und das Ausmaß einer bestimmten Problematik als wichtige Indikatoren. Dieser Beitrag identifiziert den Handlungsspielraum, im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit, als besonders bedeutend, da eine unzureichende oder fehlende Arbeitsfähigkeit weitreichende Folgen sowohl für das Unternehmen als auch die Beschäftigten selbst hat. Es ergibt sich der Schluss, dem Handlungsspielraum im Kontext der psychischen Gefährdungsbeurteilung sowie auch in weiteren Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements eine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Keinesfalls sollte sich jedoch im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung ausschließlich auf die Optimierung des Handlungsspielraumes konzentriert werden. Dieser ist lediglich als ein erster Ansatzpunkt zu betrachten. Darüber hinaus sollte auch die Reduzierung aller weiteren ermittelten Belastungsfaktoren angestrebt werden.

Korrespondenzadresse
Angelina Heub
Institut für Gesundheitsförderung & -forschung (IGFF)
Lerchenweg 14
35683 Dillenburg
E-Mail: angelina.heub@igff.de
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